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Unsere Klabauterfrau: Meta Janssen-Kucz

18.08.2021

Bei meiner Recherche zu ihrer Person ist mir aufgefallen, dass diese Frau wirklich sehr vielseitig zu sein scheint. Auf ihrer Website steht, direkt neben einem lächelnden Foto von ihr, Folgendes: „Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages“ und „Sprecherin für Gesundheit, Pflege & Senioren, Häfen & Schifffahrt“. Ehrlich gesagt hatte ich an dieser Stelle direkt Respekt, mich mit Meta zu unterhalten. Ich war gleichermaßen begeistert und eingeschüchtert: Wie kann jemand auf so vielen Gebieten so aktiv sein?


Dass eingeschüchtert sein ein zutiefst unbegründeter Gedanken war wurde mir direkt klar, als Meta

und ich über Zoom das erste Mal miteinander sprachen. „Hallo, ich bin Meta. Schön, dich kennenzulernen …“ sagt sie lachend in die Kamera und mein inneres Eis war gebrochen. Ein Schwall positiver Energie erreichte mich und ich spürte sofort, dass Meta Menschen liebt. Wo soll ich nur anfangen nach diesem Interview? Meta als Mensch, Meta als Politikerin – Meta ist eine ganze Ebene.


Wer ist Meta?


Meta wird diesen Sommer 60, strahlt für mich die volle Lebensfreude aus und wohnt auf Borkum und in Leer. Auch wenn sie direkt in ihren ersten Sätzen erzählt, dass die Arbeitsbelastung ein bisschen weniger sein könnte, erklärt sie sofort, wie sehr sie ihre Arbeit liebt. Ich muss schmunzeln, denn diesen Satz kaufe ich ihr sofort ab. Meta hat zwei Kinder: ihren Sohn Felix, der in Hamburg wohnt und in der Schiffsindustrie arbeitet, und ihre Tochter Tine, die leider 2003 an Knochenkrebs verstarb. Tines Geschichte hat mich beim Zuhören sehr berührt und mir vor Augen geführt, wie unfair das Leben auch zu den Menschen ist, die aufopferungsvoll Dinge für die Gesellschaft verändern wollen. Durch diese persönliche Betroffenheit kommt der Schwerpunkt Gesundheit zustande, dies verstehe ich nun. Um in der Nähe des Krankenhauses sein zu können, zog die Familie 2000 von Moormerland nach Leer. Meta hat es geliebt, in Rorichmoor zu leben, besonders stark schwärmt sie von der Verbundenheit innerhalb der Nachbarschaft, den gemeinsamen Aktivitäten und dem soziokulturellen Zentrum „Phönix“.


Von Haus aus ist Meta Sozialpädagogin. Sie hat viel im Bildungsbereich gearbeitet, auch in den Zeiten, als es nicht viel Arbeit für Sozialpädagogen gab. Dann bekam sie Anfang 1992 „den Sechser im Lotto“, wie ihre Kollegen meinten: eine Planstelle bei der Stadt Leer im Allgemeinen Sozialen

Dienst. 1998 zog Meta das erste Mal in den Niedersächsischen Landtag ein. Nach zehn Jahren war dann gewollt erstmal Schluss mit dem Landtag und sie stellte sich einer neuen Herausforderung: Schulleiterin im Europahaus in Aurich, der Deutsch-Niederländischen Heimvolkshochschule e.V. „Ich

habe durch meine Arbeit im Europahaus unglaublich spannende Menschen aus vielen Ländern kennengelernt. Dieser Austausch Niederlande - Deutschland, für Frieden einstehen, politische Bildung voranbringen, Themen wie Antifaschismus und Hass und Hetze in der Gesellschaft bearbeiten“, schwärmt Meta über ihre Zeit im Europahaus. Als 2013 das Telefon klingelte und sich die Dinge wieder änderten …


Das Politische an Meta …

Politisch aktiv war Meta die ganze Zeit. 1998 kam Meta Janssen-Kucz in den Landtag gekommen und bis 2000 war sie im Gemeinderat von Moormerland tätig, von welchem sie sich durch den Umzug nach Leer trennen musste. Die Arbeit im Gemeinderat war genau Meta: verbunden mit den

Menschen und mit den regionalen Problemen, die erledigt werden müssen – „Ich wurde wirklich oft gefragt, ob ich in den Bundestag will, aber das ist einfach nicht meine Welt. Das ist zu weit weg, ich will und brauche die Nähe und die Verbindung zu den Menschen und in der Region. Das finde

ich so wichtig. Diese Erdverbundenheit, Land, Leute und die Problemlagen zu kennen.“ So wurde zum Beispiel durch ihren jahrelangen Kampf und der Unterstützung der SPD das Jugendhaus im Zentrum von Moormerland gebaut. Da ich in Moormerland aufgewachsen bin, erinnere ich mich gut

an die Kletterwand, die dort plötzlich emporragte – das Highlight im Ort. Irgendwann brauchte Meta eine Pause vom Landtag, um sich nach dem Tod ihrer Tochter wieder zu erden. „Ein geschützter Raum ist mir wichtig. Familie und Freunde, diese Erdung. Mir ist wichtig zu wissen, dass ich in

diesem geschützten Raum alles sagen und denken darf, ohne immer stark sein zu müssen.“ Das mittlerweile viel zu groß gewordene Haus wurde umgebaut, und sie schuf ihr eigenes kleines Mehrgenerationenprojekt für verschiedene Menschen. Eine junge Familie, Pflegekräfte in der Ausbildung und ältere Menschen verbindet sie unter einem Dach.


Sie vermietet nach Bauchgefühl, nicht nach Einkommensnachweis, auf welches sie sich mittlerweile wirklich gut verlassen kann, und ihre Türen stehen immer offen. So nutzte Meta ihre Pause vom Landtag, konzentrierte sich auf ihre Familie und ihre Arbeit im Europahaus Aurich. Eine unerwartete

Situation, der plötzliche Tod eines Grünen-Landtagsabgeordneten, holte sie jedoch in Vollzeit wieder zurück in den Landtag geholt und dort ist sie als Abgeordnete und Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages noch immer vertreten. Sie betreut nicht nur ihren eigenen Wahlkreis, sondern die gesamte ostfriesische Halbinsel plus das nördliche Emsland. Dies klingt nur noch nach viel. Eine durchschnittliche Woche mit 70 Stunden Arbeit ist keine Seltenheit bei Meta. Wenn sie das Gefühl bekommt, überrollt zu werden, geht sie raus in die Natur und lässt sich

am Wochenende auf Borkum zusammen mit ihrem Mann den Wind um die Nase wehen. Egal, welches Wetter draußen herrscht: Hauptsache, der Wind weht ihr ins Gesicht. Ostfriesisch bleibt eben ostfriesisch und Meta ist mit Leib und Seele Ostfriesin. „Wenn ich im Landtag wütend werde, bekommen manche Sorgen, weil ich dann Plattdeutsch spreche. Dann versteht mich kaum einer bzw. der Stenographische Dienst sagt dann immer: „Oh Gott, wie bekommen wir das jetzt ins Protokoll …“, lacht Meta über sich selbst.

Es wirkt, als sei ihr Motor ihre Neugier und ihr Wille, Probleme zu lösen und Menschen kennenzulernen. Die Politikerin betont, dass es für sie eine Bereicherung ist, mit verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten. Besonders die Arbeit mit jungen Frauen findet sie spannend, da sich der Bildungsweg für diese positiv verändert hat. „Zu meiner Zeit wurde noch der Kopf geschüttelt, wenn ein Mädchen auf das Gymnasium gehen wollte. Sie wird doch eh heiraten. Ich hatte das Glück, meine Oma zu haben. Sie hat immer gesagt: Bildung ist das A und O und gilt für alle, egal, ob Mädchen oder Junge!“ erzählt Meta mir.


„MIR SIND VIELE THEMEN SEHR WICHTIG. GERADE DIE REGIONALEN THEMEN HÄFEN UND SCHIFFFAHRT, ABER AUCH MEIN FACHTHEMA GESUNDHEIT UND PFLEGE IST MIR EINE HERZENANGELEGENHEIT… WIR SIND NUR EINE KLEINE FRAKTION MIT ZWÖLF LEUTEN UND MÜSSEN ALLE THEMEN BEARBEITEN, DIE ANSTEHEN“


„Das Arbeitspensum einfach herunterschrauben gestaltet sich schwer, wenn mit dem ganzen Herzen, starker regionaler Verbundenheit und aus voller Überzeugung Themen bearbeitet und Termine wahrgenommen werden.“, erklärt Meta mir, als ich sie frage, wieso sie nicht einfach ein paar Zöpfe abschneiden kann. Und ihre Erklärung kann ich verstehen.